Bridges Not Walls: Gemeinsam Brücken bauen
Radikalisierung, Polarisierung und zwischenmenschliche Gewalt gehören zu den großen Herausforderungen in vielen Ländern. Gerade junge Menschen wachsen in einer Zeit auf, in der Unsicherheiten, Ausgrenzung, Hate Speech und einfache Antworten auf komplexe Fragen oft den Nährboden für Radikalisierung bilden. Umso wichtiger ist die Rolle von Jugendleiter:innen und Sozialarbeiter:innen: Sie schaffen Räume für Dialog, stärken Zugehörigkeit und begleiten junge Menschen dabei, konstruktive, gewaltfreie Wege im Umgang mit Konflikten zu finden.weiterlesen . . .
Genau hier setzt unser EU gefördertes Erasmus+ Projekt “Bridges Not Walls: Empowering Youth Workers in Non-Violence and De-Radicalization” an. Im November 2025 trafen sich 24 Jugendleiter:innen und Sozialarbeiter:innen aus 9 Ländern in der kulturell vielfältigen Küstenstadt Batumi in Georgien zu einem intensiven 7-tägigen Trainingskurs, der von einem interkulturellen Trainer:innenteam aus Deutschland und Georgien geleitet wurde. In einem vertrauensvollen Lernraum setzten sie sich mit Themen wie Identität und Zugehörigkeiten, Gewalt und Gewaltfreiheit im Alltag, gewaltfreier Kommunikation und gegenseitigem Verständnis, traumasensiblen Ansätzen sowie den Dynamiken Radikalisierungsprozessen von Jugendlichen auseinander. Ein besonderer Fokus lag auf der praktischen Anwendung: Die Teilnehmenden entwickelten eigene kurze Videos zu frühen Signalen von Radikalisierung und möglichen Interventionen von Jugendarbeiter:innen. Diese sind online verfügbar und geben einen Einblick in die Perspektiven und Ansätze der Gruppe: https://www.youtube.com/@act4transformation .
Im zweiten Teil des Projekts kamen die Teilnehmenden vom 06.–12. Februar 2026 in Berlin zusammen. Untergebracht in der Jugendherberge am Wannsee, bot der Studienbesuch die Möglichkeit, die in Batumi erarbeiteten Inhalte zu vertiefen und konkrete Praxisansätze kennenzulernen. Die Gruppe besuchte verschiedene Organisationen wie ufuq e.V., Cultures Interactive e.V., das Entwicklungspolitische Zentrum für Globales Lernen, das Paulo Freire Institut, ifa e.V., Hashomer Hatzair in Berlin und lernten Berlin bei einer Dekolonialen Stadtführung von einer anderen Perspektive kennen. Diese Einblicke machten deutlich, wie vielfältig die Themen und Ansätze in der Arbeit gegen Radikalisierung und für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland sind.
Besonders beeindruckend war für viele Teilnehmende, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte in Deutschland kennenzulernen und diese mit den eigenen Realitäten in ihren Herkunftsländern zu vergleichen. Gemeinsam wurde reflektiert, welche Themen vor Ort relevant sind, welche Herausforderungen sich ähneln und wie Ansätze sinnvoll übertragen oder angepasst werden können. Dabei entstanden nicht nur inspirierende, sondern auch kritische Diskussionen – etwa darüber, wie unterschiedlich Perspektiven auf Themen wie Identität, Zugehörigkeit oder (De-)Kolonisierung sein können, je nachdem, aus welchem Kontext man kommt. Gerade diese Vielfalt an Sichtweisen wurde als große Stärke des Austauschs erlebt.
Nach dem Studienbesuch setzen die Teilnehmenden ihre Arbeit in ihren jeweiligen Ländern fort und organisieren eigene kleine Veranstaltungen, Workshops und Dialogformate, um das Gelernte weiterzugeben und anzuwenden. So entfaltet das Projekt Wirkung über die gemeinsame Zeit hinaus - lokal verankert und gleichzeitig international verbunden.
Bridges Not Walls zeigt, dass nachhaltige Prävention von Radikalisierung Zeit, Beziehung und Reflexion braucht. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich begegnen, Unterschiede aushalten und gemeinsam neue Wege entwickeln können - für mehr Verständnis, Zusammenhalt und um Brücken statt Mauern zu bauen.